Envaris - Interview mit Mathias Leske von Flyingeyes Germany über Thermographie an Photovoltaikanlagen mit einem Octocopter

von Mathias Leske

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Octocopter- ein Wort, das wie eine Mischung aus Oktopus und Helikopter klingt. Diese Assoziationen sind gar nicht weit gefehlt, denn bei dem Gerät handelt es sich um eine Kameradrohne, die mit Hilfe von acht (octo) Propellern betrieben wird und optische sowie technische Ähnlichkeiten mit einem Helikopter hat. Die Unterschiede liegen allerdings in der Gesamtgröße, der erreichbaren Flughöhe und der Tatsache, dass der Octocopter nicht darauf spezialisiert ist, Personen oder Lasten zu transportieren sondern hochauflösende Foto-, Video- oder in diesem besonderen Fall Thermographieaufnahmen aus der Luft zu erstellen. Mathias Leske von Flyingeyes Germany erklärt, welche Vorteile der Octocopter Ihnen bei der Erstellung von Thermografiebildern Ihrer Photovoltaikanlage bietet und welche Fehlerbilder mittels dieses Verfahrens festgestellt werden können.

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Was sind die signifikanten Unterschiede zwischen einer in der Hand gehaltenen Infrarotkamera und einem Octocopter?

 

Das ist fast nicht in ein paar Worten gesagt. Wichtig ist erst einmal festzuhalten, dass man unterscheiden muss, für welchen Einsatzzweck die Thermografie und das Ergebnis im Endeffekt verwendet werden soll. Das geht schon bei der Wahl der Kamera los. Im Kopter benötigen wir eine hochauflösende Kamera mit radiometrischer Videoaufnahme über den gesamten Flug, um alle Auffälligkeiten auch im Nachhinein bei der Auswertung noch zuordnen zu können. Bei den handgeführten Kameras wird die Dokumentation von gefundenen Auffälligkeiten meist direkt vor Ort gemacht, da reichen radiometrische Fotos aus.

 

Ich denke, der größte Vorteil einer Thermografie aus dem Kopter ist, dass wir große Flächen in kürzester Zeit untersuchen können, um einen Gesamteindruck einer Anlage zu bekommen, was zur Unterstützung von Betriebsführern und Installateuren zur exakten und schnellen Fehlersuche dienlich ist, aber auch zuletzt vermehrt für Versicherungen, Banken und Investoren genutzt wird, um eine schnelle Erstanalyse der Anlage zu bekommen.

 

Diese Art der Thermografie macht Schäden auf Zell-, Modul- und Stringebene gleichermaßen sichtbar; geht aber nicht bis ins kleinste Detail der einzelnen Zelle. So verwenden zum Beispiel Gutachter meist handgeführten Kameras, um Photovoltaikmodule bis auf Zellebene zu analysieren, kleinste Veränderungen an Lötverbindungen zu erkennen und um Schäden, die meist schon zu Ertragsverlusten geführt haben, zu dokumentieren .

 

Weitere Vorteile sind  natürlich der immer optimal einstellbare Winkel der Thermokamera zum PV Modul welche im Idealfall 90° sein sollte, der barrierefreie Zugang zu allen Anlagen – egal ob Aufdach oder Freifläche – oder Übersichtaufnahmen von ganzen Stringausfällen und deren Abgrenzung sind natürlich aus der Luft auch wesentlich besser zu erkennen.

 

Die Hauptarbeit verbringen wir aber, wie jeder Gutachter, im Büro bei der Auswertung und ausführlichen Berichterstellung mit Zuordnung der Auffälligkeiten zur Anlage, denn mit bunten Thermografiebildern ohne Bericht und  Analyse kann kein Auftraggeber etwas anfangen.

 

Welche Wetterbedingungen müssen für thermographische Messungen herrschen ?

Am idealsten ist natürlich blauer Himmel / Sonnenschein und kein Wind. Aber mindestens 500-600 W/qm Einstrahlung / keine bis wenig Bewölkung und max. 30 Km/h Wind  sind erforderlich, um die Auffälligkeiten deutlich und ohne ablenkende Reflektionen zu erkennen. Da solche Bedingungen aber in Deutschland eher selten herrschen, müssen wir uns doch öfter mit widrigeren Bedingungen herumschlagen, um bei Großanlagen nicht wochenlang im Park unterwegs zu sein. Das heißt, dass auch bei stärkerem Wind und leichter Bewölkung jede freie Lücke am Himmel genutzt werden muss,  denn ganz ohne Sonne geht die Thermografie von „großen“  Flächen leider noch nicht.

 

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Quelle: Flying Eyes Germany

Welche Fehlerquellen lassen sich bei einem solchen Verfahren ausmachen?

 

Da gibt es eigentlich wenig Unterschiede zur handgeführten Thermografie . Angefangen von den berühmten „Hotspots“, heiße Anschlussdosen, geschaltete oder defekte Dioden, Glasbruch, Strings im Leerlauf oder Kurzschluss, ist eigentlich alles aus der Luft erkennbar. Bei Auffälligkeiten die aus der Luft nicht eindeutig zu erkennen und zuzuordnen sind, gehen wir natürlich auch noch einmal persönlich zur Auffälligkeit, um Fehlinterpretationen so weit wie möglich auszuschließen.

 

Zur Person:

Mathias Leske

 

Mathias Leske ist Geschäftsführer von Flyingeyes Germany. Herr Leske ist vom TÜV ausgebildeter Servicetechniker für PV-Anlagen und absolvierte Theromographie Seminare für Solaranlagen und Wechselrichterschulungen.

Das Unternehmen operiert seit Mitte 2012 deutschlandweit sowie international und bietet Inspektions- und Fehlersuchservice für Photovoltaikanlagen per Octocopter aus der Luft an.

 

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